Aldegundistag | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Die Einwohnerversammlung am 30. Januar ist seit vielen Jahren ein gesetzter Termin in Wiebelsheim. Aber warum findet sie immer genau an diesem Datum statt? Und was hat das mit der Hl. Aldegundis zu tun? Zeit für einen kleinen Blick in die Vergangenheit und die ein oder andere spannende und amüsante Geschichte.

Aldegundistag

Die Hl. Aldegundis spielt in Wiebelsheim seit jeher eine besondere Rolle. So findet auch heute noch für die Gemeindepatronin am Aldegundistag, den 30. Januar, ein Gottesdienst mit anschließender Einwohnerversammlung statt, die Taube als Attribut der Hl. Aldegundis ist Teil unseres Ortswappens, das Gemeindehaus ist nach ihr benannt, eine ihr gewidmete Bronzetafel findet sich am Bilderbrunnen und auch der Aldegundismarkt und die Kapelle im Wald (siehe Foto) sind Vielen noch ein Begriff.

Wer war die Hl. Aldegundis?

Aldegundis hat im 7. Jahrhundert in Nordfrankreich gelebt und war die Gründerin und Äbtissin des Klosters Maubeuge. Sie legte einen Schwerpunkt auf die Kranken- und Armenfürsorge und stiftete dazu ein Hospital und leitete das Kloster bis zu ihrem Tode infolge einer Krebserkrankung. In der Katholischen Kirche wird sie zu den Nothelfern gezählt und z.B. bei Fieber, Krebs und Todesgefahr angerufen.

Was die Bedeutung der Hl. Aldegundis für Wiebelsheim angeht, so haben Richard Kapp und Armin Henn die historischen Überlieferungen festgehalten.

Von der Heiligen zur Ortspatronin

Aus einer Quelle aus dem Jahr 1858 geht hervor, dass in den Nöten des 30-jährigen Krieges (1618-1648) oder bei sonst einem schweren Unglück (die Überlieferung spricht von einer Viehseuche) die Gebete der Wiebelsheimer auf wundersame Weise erhört wurden. Daraufhin legten die Wiebelsheimer das Gelübde ab, den Namenstag der Heiligen am 30. Januar als hohen Gemeindefeiertag zu begehen. So ist auch heute der 30. Januar immer noch unser Gemeindefeiertag, wenn er auch sicherlich in anderer Form begangen wird als früher.

Die Aldegundis-Kapelle im Hohen Wald

Bereits im Jahr 1477 wird erstmals eine kleine Kirche St. Aldegund im Wald erwähnt, an die sich seit 1699 eine Eremitage (Einsiedelei) anschloss. Eine Legende besagt, dass drei Schwestern von ihrem ererbten Vermögen je eine Kirche bauten. Diese sollten aber nicht weiter voneinander entfernt sein, als man von einer zur anderen die Glocken hören konnte. St. Quintin bei Karbach, St. Aldegund im Hohen Wald und die Kirche auf dem Schöneberg zwischen Steinbach und Riegenroth sollen die Gotteshäuser der drei Schwestern gewesen sein.

Allein die Kirche bei Karbach blieb erhalten, die beiden anderen fielen 1802 der Säkularisation zum Opfer und wurden abgerissen. Als einziges Überbleibsel der Eremitage ist noch die Einfassung eines ehemaligen Brunnens erhalten. Der letzte Eremit zog, nachdem er seine Behausung auf Anordnung der Napoleonischen Truppen verlassen musste, nach Wiebelsheim. Bevor er die Eremitage verließ, versteckte ein Verehrer der Hl. Aldegundis – vielleicht war es der letzte Eremit – drei Gedenkstücke in einer Erdhöhle im Wald. Es handelte sich um die kleine Aldegundis-Glocke, die 1719 in Mainz gegossen wurde und später im 2. Weltkrieg als Rohstoff für die Rüstungsindustrie abgeliefert werden musste, ein Messgewand, das auch heute noch am Aldegundis-Tag vom Pastor getragen wird, sowie eine Statue der Hl. Aldegundis aus dem 17. Jahrhundert.

Streit um eine Statue

Der mündlichen Überlieferung nach haben Wiebelsheimer Kinder diese drei Gegenstände 1848 beim Beerensuchen im Wald wiederentdeckt. Der damalige Förster Erwin Müller, der mit der Tochter des Lehrers Nick aus Wiebelsheim verheiratet war, sorgte dafür, dass die Gegenstände in die im Jahr zuvor neu erbaute Kirche in Wiebelsheim kamen.

Die Überführung der Fundstücke nach Wiebelsheim sollte noch ein Nachspiel haben, denn als die Sache bekannt wurde, machte man in Oberwesel Ansprüche geltend. Immerhin waren die Gegenstände in ihrer Gemarkung gefunden worden. Die Wiebelsheimer, denen die Hl. Aldegundis so wichtig war, wehrten dieses Ansinnen empört ab.

Nachdem alle Bitten und Drohungen ohne Erfolg blieben, kam es zum „Oberweseler Krieg“. Der Stadtrat von Oberwesel hatte sich entschlossen, mit einer größeren Zahl Bürger nach Wiebelsheim zu ziehen und die Fundstücke mit Gewalt zu entwenden. Kurz vor Wiebelsheim machte die Meute nach zweistündigem Fußmarsch zur Stärkung eine Pause – ein taktischer Fehler. Denn dabei wurde der Trupp von einem Holzfäller, der im „Geses Berg“ tätig war, beobachtet. Der umsichtige Mann lief ins Dorf und warnte die Wiebelsheimer vor der anrückenden Streitmacht. Die Glocken wurden zur Mobilmachung geläutet. Nach kurzer Zeit zog ein großer Haufen, bewaffnet mit Sensen, Heugabeln und Knüppeln, den Oberweselern entgegen. Als diese die Übermacht ankommen sahen, ergriffen sie die Flucht und der „Krieg“ war unblutig zu Ende gegangen - so die Überlieferung.

Die Statue der Hl. Aldegundis thront auch heute noch auf ihrem Sockel in der Kirche und auch das Messgewand ist noch vorhanden. Wenn man den geschichtlichen Hintergrund kennt, wird man die Statue beim nächsten Besuch in der Kirche vielleicht mit anderen Augen betrachten.